Dienstag, 15. Mai 2018

Yoga Teacher Training – Teil 1

Vor einem weißen Blatt Papier zu sitzen und zu versuchen, in Worte zu fassen, was einen von oben bis unten mit unglaublichen Gefühlen erfüllt, ist eine ganz sonderbare Sache. Ich bin normalerweise nicht um Worte verlegen und ich liebe es, meine Gedanken auf diese Weise auszudrücken. Jetzt lerne ich etwas jenseits aller Worte kennen, was mich beeindruckt, mich bewegt, mich nachdenklich, glücklich macht. Ich werde eine Yogalehrerin. Ich habe mich so sehr auf diese Ausbildung gefreut, in vollem Vertrauen darauf, dass das eine wundervolle Reise werden wird. Dennoch – und das habe ich früher auch schon öfter erfahren – ist diese Reise so voll von Überraschungen und völlig anders, als ich sie mir vorgestellt habe. Ich liebe diese Überraschung! Ich lerne, mich auf etwas Neues einzulassen, alle meine Glaubenssätze zu hinterfragen und die Welt in einem neuen Licht zu sehen.


Ich spüre am eigenen Leib, was es bedeutet, achtsam zu sein und die Zeichen, die er mir gibt, anzunehmen und auf sie zu antworten. Ich spüre, dass ich meinem seelischen Leid mit körperlicher Aktivität begegnen kann und dass mein körperliches Leid durch die Auseinandersetzung mit meinem Geist Heilung erfährt. In der Meditation löse ich mich völlig auf und werde eins mit allem um mich herum. Das klingt esoterisch und seltsam, aber es ist eine so unmittelbare Erfahrung, dass ich nun vielleicht sogar eine Vorstellung davon haben kann, wie es ist zu sterben. Und wie wunderschön das ist. Meditation ist das Zelebrieren des Moments und da ich das schon eine Weile geübt habe, trägt diese Praxis nun Früchte und ich spüre: es gibt nichts Besseres!

Es ist so interessant zu sehen, wie „Außenstehende“ darauf reagieren, wenn ich ihnen erzähle, dass ich diese Ausbildung mache. Sie glauben, dass ich nun immer gelenkiger werde, immer kompliziertere Haltungen einnehmen kann und dass ich in einem Fitnessstudio anheuern und dort mein Geld verdienen könnte. Vielleicht bekomme ich einen sexy "Yoga Body"? Kann sich das jemand vorstellen? 

Und darum geht es überhaupt nicht. Ich habe schon öfter über Yoga geschrieben und was er mir bedeutet, u.a. hier, aber das ist niemals eine vollständige Beschreibung. Und wenn es im Yoga um eins nicht geht, dann ist es das Ziel, gelenkiger zu werden. Oder abzunehmen. Oder schöner zu werden. Es geht darum, zu erkennen, dass alles genauso ist, wie es sein soll.

Die Bewegungen sind ein Mittel auf dem Weg zur Selbsterkenntnis. Sie lassen uns spüren, dass wir eins sind mit unserer Umwelt, dass Körper und Geist nicht trennbar sind und dass es sich lohnt, hinzuschauen, in sich hinein zu spüren und die Antworten nicht im Außen, sondern im Innen zu suchen. Es lohnt sich, nach dem Sinn des Lebens zu fragen, den Kopf auszuschalten und auf sein Herz zu hören, bis die Antwort von ganz allein kommt. Es lohnt sich, zu akzeptieren, dass wir keine Kontrolle über das Leben haben und dass wir unsere Geschichte dennoch selbst gestalten und erzählen können. Denn was in unserem Kopf vorgeht, ist immer nur eine Geschichte, immer nur ein Abbild dessen, was ist. Und dieses Abbild ist mal so gefärbt und mal so. Mal verzerrt es sich in eine Richtung, mal in die andere. 


In dieser Ausbildung lernen wir, dass unsere eigene Geschichte maßgeblich ist für uns als Yogalehrer. Ohne diese Geschichte und unsere Auseinandersetzung damit können wir keine authentischen Lehrer sein, würde uns das Mitgefühl für unsere Schüler fehlen. Ohne das Überraschungsmoment würden wir uns zu bestimmten Dingen vielleicht niemals durchringen, aber wenn wir ins kalte Wasser geworfen werden, schwimmen wir einfach los und dieses Gefühl ist unfassbar schön. Wir lernen, dass wir mehr können, als wir geglaubt haben, wir entwickeln ein neues Selbstvertrauen. 

Und das Beste an allem ist, was zwischen uns passiert. Dass aus Fremden innerhalb von Stunden enge Vertraute werden, in deren Gemeinschaft man sich völlig frei fühlen darf und ganz unmittelbar spürt, dass alle unbefangen und mit viel Liebe auf einen zugehen. Wir alle sind an einem ähnlichen Punkt auf unserem Lebensweg und haben das Privileg, diese Reise gemeinsam zu machen. Und das schweißt uns derartig zusammen, dass wir alle völlig überwältigt davon sind. Ich kenne euch kaum und ich liebe jeden einzelnen von euch. In dieser Gemeinschaft kann ich zu meiner wahren Berufung finden und die Stärke gewinnen, nach der ich so lange gesucht habe. Ich danke euch so sehr dafür!

Die wunderschönen Bilder sind von Geert De Keyser, der uns an unserem ersten Abend begleitet hat.

Die Ausbildung absolvieren wir mit Yogalife im Studio Yoganjuly in Bonn-Kessenich. Danke euch großartigen Menschen, dass ihr das möglich macht!

Kommentare:

  1. Danke Lene, du hast die Gefühle von vielen zum Ausdruck gebracht. Sehr schön beschrieben. Wir bedanken uns dass du dabei bist.

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  2. Ab nächster Woche beginnt MEINE Ausbildung bei Yogalife. Dein Blog, habe ich für mich beschlossen, gehört für mich dazu. Du schreibst ganz wundervoll und ich freue mich jetzt noch mehr auf das, was auf mich zukommt. Vielen Dank und Namasté!

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