Montag, 26. März 2018

Kreativität!

Die Antworten kommen, wenn ich aufhöre zu fragen. Sie kommen aus dem Herzen und nicht aus dem Kopf. Und immer wieder kann ich jetzt beobachten, wie Gedanken in den Hintergrund treten und einfach verschwinden, sobald ich sie bewusst wahrnehme und zurückkehre zu meiner inneren Mitte. Das ist so toll! 

Wie oft bin ich früher an Gedanken hängengeblieben, die mich gequält haben oder aufgeregt, auch fasziniert. Gerade eben in der Meditation kam mir mein alter Freund Ecki in den Sinn, ein Künstler, der schon seit einigen Jahren nicht mehr lebt. Ein interessanter Gedanke, wunderschön. Ich spürte die Verbindung zu ihm und seiner Kreativität. Und dann ließ ich ihn einfach gehen. Jetzt, wo ich hier sitze, kommt er zu mir zurück und ich kann mich ganz darauf einlassen. 

Der Punkt ist aber, dass solche interessanten Impulse ganz unvermittelt, spontan und ungezwungen kommen. Wenn ich versuche, kreativ zu sein, ist es schon vorbei. Ganz wertfrei loslegen, nicht mit dem Gedanken an das Ergebnis sondern ganz im Schaffensprozess, im Hier und Jetzt. Beobachten, was sich da entwickelt, was da an die Oberfläche kommt, sich Ausdruck verschaffen möchte. Das ist so interessant! Wir haben so oft eine genaue Vorstellung davon, was kommen soll, was wir erwarten. Da ist eine Deadline, eine Aufgabe, die ich bewältigen, ein Content, den ich kreieren muss. Und sobald ich muss, kann ich nur schon vorher dagewesenes reproduzieren, dann ist kein Raum mehr für freie Impulse. Wir sind so auf das Ziel ausgerichtet, dass wir den Blick nach rechts und links nicht mehr wagen. 

Ich wollte eigentlich heute morgen über eine Freundin schreiben. Gestern hatte ich dazu ein paar Ideen. Heute morgen wäre es eine Anstrengung und so beschäftige ich mich lieber mit den Dingen, die gerade unmittelbar vor mir liegen. Die aus mir herausfließen, so belanglos sie auch sein mögen. Ich möchte wegkommen von der Anstrengung. Sich anstrengen bedeutet verkrampfen, unflexibel werden. Ich möchte frei durch die Gegend wabern, auch mal danebengreifen. Und wenn der kreative Flow dann vorüber ist, kann ich ja wieder anders arbeiten. Nicht alles ist kreativ, vieles ist ja auch reaktiv und ganz zielgerichtet produktiv oder einfach notwendig. Und das ist auch gut so, denn wenn ich ohne Fokus durch meinen kreativen Ideengarten spaziere, gehe ich irgendwann total verloren. Das ist einerseits ein wunderschönes Gefühl, weil ich loslassen und einfach nur beobachten und genießen kann, aber es funktioniert nur im Wechselspiel mit dem Fokus. Neulich habe ich über den Fokus geschrieben und wie sehr er mir hilft. Kreativität ist eigentlich das Gegenteil und genauso hilfreich. Es ist ein Auf und Ab, ein Geben und Nehmen, ein Hin und Her und genau darin besteht der Reiz. In beidem ist keine Anstrengung, kein Stress und beides erschafft Klarheit und Ruhe. 


 Heute morgen bin ich sehr müde und mein Kopf schmerzt, der Rücken auch. Ich beginne, mir Sorgen zu machen, ob ich den Tag gut überstehen kann. Wie sehr wird sich das zuspitzen? Ich habe eine genaue Vorstellung davon, wie es werden wird. Wenn ich die über Bord werfe, meine Augen aufmache und schaue, was wirklich passiert, wenn ich meine Schmerzen wertfrei beobachte, ohne an ihnen zu verzweifeln, was passiert dann? 

Was passiert, wenn ich nicht schon vorher weiß, dass gleich jemand kommt und an meinen Nerven zerrt und ich mich fremdbestimmt und unterdrückt fühle? Wenn ich nicht von Vornherein davon ausgehe, dass dieser Tag mich überfordern wird? Was passiert, wenn ich in mich gehe und nachspüre, wonach mir jetzt der Sinn steht? Möchte ich jetzt duschen, frühstücken, mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren? Was möchte ich anziehen? Möchte ich stattdessen vielleicht lieber noch eine halbe Stunde im Bett liegen und mich entspannen? Trockenshampoo rein und schnell ins Auto setzen? 

Wenn ich mir vorher schon diktiere, was ich zu wollen habe, bleibe ich blind für meine wirklichen Bedürfnisse. Ich muss immer wieder wie ein Korrektiv einen Check-In in meinen Körper und meine Gefühle vornehmen: Will ich das gerade wirklich? Oder mache ich es, weil andere es von mir erwarten? Muss ich das gerade wirklich oder denke ich nur, dass das zwingend notwendig ist? Unsere Glaubenssätze sind so fest in uns verankert, dass wir sie viel zu selten in Frage stellen. Eigentlich gehören sie laufend in Frage gestellt. Das einzige, was uns unfrei macht, sind unsere Gedanken. Ich könnte im Schlafanzug zur Tür rausspazieren und einfach machen, wonach mir der Sinn steht. Ich könnte und dürfte alles. Wenn ich es mir nicht selbst verbieten würde. Wenn ich nicht das, was andere über mich denken, über meine eigenen Bedürfnisse stellen würde. 

Und darüber muss ich nachdenken. Was sind überhaupt meine Bedürfnisse? Lange habe ich gedacht, dass ich aus meinem Leben ausbrechen und was ganz anderes machen möchte. Bis ich herausgefunden habe, dass ich genau da bin, wo ich sein möchte und in genau diesem Gedanken meinen Frieden finde. Der Rebell in mir kommt zum Schweigen. Und ich lebe.


Mittwoch, 14. März 2018

Fokus!

Das ist mein neues Lieblingswort. Gestern kam es mir in den Sinn wie die Lösung all meiner Probleme. Beim Yoga sollten wir uns vorstellen, dass unser Körper sich in Kreisen um die Wirbelsäule bewegt. Die Wirbelsäule als Zentrum des Körpers, an dem er sich aufrichtet, zentriert, festhält. Die Wirbelsäule, die Stärke gibt, Rückgrat, Sicherheit.

Meine Gedanken waren in den letzten Wochen sehr durcheinander. Ich habe das gemerkt, als ich mit meinen Schwestern über meine aktuelle Situation gesprochen habe und sie Schwierigkeiten hatten, zu verstehen, was überhaupt los ist. Und einmal mehr ist mir aufgefallen, wie sprunghaft ich bin, wie ich in einem Moment voller Energie und guter Gedanken bin und im nächsten völlig verzweifelt und antriebslos. Wie ich von überall her Ideen aufsauge, in mich aufnehme, mich begeistern lasse und überall neue Dinge anfange, vielleicht viel zu viele.

Was also kann helfen, das Chaos ein bisschen zu lichten? Ich beschäftige mich ja sehr viel mit Meditation in letzter Zeit und inzwischen merke ich, wie sich das, was ich da lerne, auf mein Leben überträgt und wie ich in Situationen, die mich stressen, einen Weg finden kann, meinen Fokus zu lenken. Ich stelle mir den Fokus wie meine Wirbelsäule vor, oder vielleicht auch wie das Zentrum meines Körpers, an dem ich mich immer orientieren kann, zu dem ich wieder und wieder zurückkehren kann, wenn ich mich verloren fühle. 


Ich habe jetzt verstanden, dass ich meine Gedanken nicht lahmlegen kann. Sie ploppen auf und geistern durch meinen Kopf. Aber ich kann steuern, ob ich mich von ihnen leiten lasse, oder meinen Fokus woanders hinrichte. Was mir dabei am schwersten fällt, ist die Verknüpfung von Gedanken und Gefühlen zu verstehen. Ich bin ein Mensch, der sich von seinen Gefühlen meistens völlig beherrscht fühlt. Erst langsam verstehe ich, wie stark die Gefühle aus meinen Gedanken resultieren und dass ich tatsächlich einen Einluss darauf nehmen kann. Früher habe ich mich immer völlig ausgeliefert gefühlt. Jetzt habe ich einen Ort, an dem ich mich ausruhen kann. Es bedarf sehr viel Übung und Geduld und Wiederholung, aber ehrlich: Es ist das hilfreichste, was mir je wiederfahren ist. 

Das beste Beispiel ist mein göttliches, heißgeliebtes Morgenritual. Ich habe schon immer gerne morgens Zeit für mich gehabt. Als meine Kinder noch kleiner waren, bin ich extrem früh aufgestanden und raus in den Wald zum joggen. Intuitiv habe ich gespürt, dass das wie eine Voraussetzung für mich war, den Tag durchzustehen. Ich kam mit frischen Brötchen vom Bäcker zurück zum Frühstück und bin gemeinsam mit der Familie in den Tag gestartet. 

Da wir inzwischen viel früher aufstehen müssen als damals, ist es morgens hektischer bei uns. Ich habe mich sehr gestresst, bei dem Versuch, noch vor dem ganzen morgendlichen Wahnsinn Zeit für mich zu finden und war in der Meditation dann so müde, dass ich nur spüren konnte, wie fertig ich war und am liebsten einfach nur wieder eingeschlafen wäre. Es ist auch sehr schwierig, sich zu entspannen, wenn man fürchtet, dass gleich einer aufwacht und einen stört. Oder wenn man die Gedanken daran, was gleich alles ganz schnell passieren muss, immer wieder dazwischenfunken. 

Im Moment widme ich mich deswegen morgens als erstes der Familie und schaue, dass alle versorgt sind. Erst wenn alle aus dem Haus sind, bin ich dran. Und Leute, das ist einfach das Größte! Ich habe eine gute Stunde Zeit nur für mich. Erst dachte ich, ich könnte vielleicht wieder laufen gehen oder Yoga machen oder schreiben oder den Haushalt machen oder, oder... ich habe tatsächlich kein Problem mit Langeweile. Aber ich habe gemerkt, worum es tatsächlich geht: Eine Stunde Achtsamkeit. Was ich in dieser Stunde mache, ich relativ egal. Am wichtigsten ist mir die Meditation, aber es ich auch wirklich wunderschön, in Ruhe zu frühstücken und sich fertigzumachen. 

Heute habe ich den Drang verspürt, mir über meinen neu entdeckten Fokus Gedanken zu machen und wie sehr er mir Orientierung gibt. Es gibt einen Haufen ungelöster Probleme in meinem Leben, aber ich muss mich nicht ständig mit ihnen beschäftigen. Ich muss nicht versuchen, das Gedankenkarussel anzuhalten, sondern ich kann einfach aussteigen. Mich ein bisschen entfernen und mein Hirn vor sich hindenken lassen. Es ist, als würden die Gedanken dadurch ein wenig verblassen und sie verlieren sofort an Bedeutung, der Druck verschwindet. Es ist ein langer Weg, wenn man beginnt zu verstehen, dass man sich nicht durch seine Gedanken und Gefühle definieren muss. Für mich ist es der einzige Weg raus aus dem Dschungel und ich bin einfach unglaublich froh, dass ich einen Zugang dazu gefunden habe.