Selbstliebe

Ich starte jetzt erst durch mit der Selbstliebe. Vorher ging es, glaube ich, mehr um Akzeptanz. Hauptsächlich meines Körpers. Aber gerade eben, als ich auf meiner Yogamatte lag und in mich hineinspürte, da wurde mir klar, dass in dieser Begegnung mit mir selbst die wahre Liebe liegt. Wenn ich mich im Umgang mit anderen Menschen quäle, sie mir auf die Nerven gehen, ich nicht weiß, ob ich sie besser aus meinem Leben verbanne oder versuche, mit ihnen umzugehen, dann vergesse ich, wo ich hinschauen muss: Genau da hin, in mich hinein. Heute spüre ich meine Liebe zu mir selbst und die fühlt sich so unglaublich gut und wunderschön, so richtig an, fast als würde ich mich in mich selbst verlieben. Und es wird mir so klar, dass dieses Gefühl die Voraussetzung für jede gute Beziehung ist. Dass jede Beziehung ein Spiegel unserer Beziehung zu uns selbst ist. Wir entscheiden uns bewusst, mit wem wir in Beziehung treten und suchen und finden in dieser Begegnung bestimmte, für uns relevante Dinge, aus denen wir lernen können. Ich meine das ganz allgemein und möchte es nicht auf eine bestimmte Beziehung in meinem Leben bezogen wissen. Es gilt für alle, die mein Herz erwärmen, meinen Horizont erweitern, mich mit Inspiration füllen und mit Energie auftanken und für alle, an denen ich mich störe, die mir im Weg sind, die mich ängstigen oder nerven, die ich nicht verstehe und die mich verletzen. Das ist alles nur möglich, weil ich es zulasse, weil ich danach suche. Und meine Aufgabe ist es nicht, Menschen zu verurteilen, zu verbannen, zu verfluchen, zu vergöttern, nachzuahmen oder hinter ihnen herzulaufen, sondern meine Aufgabe ist es, in den Spiegel zu sehen, den sie mir vorhalten. 

Gestern habe ich per Zufall diesen grandiosen Vortrag von Eckart Tolle auf Youtube gesehen, in dem er davon spricht, wie schmerzhaft es ist, seinen Ängsten ins Gesicht zu sehen und dass es doch die einzige Möglichkeit ist für ein glückliches und erfülltes Leben: Die Akzeptanz des Inakzeptablen. Wenn ihr Zeit habt, schaut euch das unbedingt mal an, ich finde es großartig und merke, wie es in mir nachhallt und mir eine Idee gibt, wie ich mit meinen Dämonen lernen kann umzugehen.

Gestern sagte auch eine liebe Freundin zu mir, dass ich nicht so hart mit mir sein solle. Meine Leute sind es leider gewohnt, dass ich schlecht über mich selbst spreche, dass ich mir zu wenig zutraue und ein seltsam verzerrtes Selbstbild habe. Oft reagieren sie sehr schockiert und auch verärgert, wenn ich über mich selbst spreche. Gestern aber merkte ich, dass sich da in meiner aktuellen Krise etwas verändert hat: Ich habe ganz unmerklich aufgehört, ein schlechtes Gewissen zu haben. Ich habe aufgehört, mit mir selbst zu schimpfen und ich habe angefangen, mich zu ermutigen. Mir war das gar nicht bewusst, aber damit einher geht auch, dass sich mein Verhältnis zum Essen normalisiert hat (für den Moment - ich bleibe vorsichtig) und das Thema Essen und Körper bzw. Figur augenblicklich keine große Rolle mehr spielt. Mir wird bewusst, wie sehr ich diesen Bereich als Bühne für mein Drama genutzt habe und wie wenig dieses Drama eigentlich mit Essen oder meinem Körper zu tun hat. Ich bin auf diese körperliche Ebene ausgewichen, weil es so schwer ist auszuhalten, was mir weh tut. Der Schmerz ist aber irgendwann so groß geworden, dass ich ihn nicht mehr ignorieren konnte, trotz der abstrusesten Ablenkungsmanöver. Jetzt ist er da und tut sehr weh und dennoch bin ich dankbar, dass es endlich so weit ist. Dass ich endlich so weit bin, zum Kern der Sache vorzudringen. Ich bin bereit, mich dem Ganzen zu stellen. Und allein die Bereitschaft hat mich einen großen Schritt voran gebracht. Diese Sackgasse, die ich mir erschaffen habe, hat mich direkt zu mir selbst geführt und da stehe ich nun und kann mich ansehen und dabei Liebe empfinden. Ich kann merken, wie meine fest gemauerten Wände dahinschmelzen und aus Verhärmung, Trotz, verletzten Gefühlen, Eingeschnapptsein, Angst vor Zurückweisung eine warme weiche Decke wird, die mich umschließt. Mich und alle anderen.

Es liegt ein großer Berg an Arbeit vor mir, das weiß ich. Und nur, weil ich hier und da erhellende Momente habe, in denen ich mich von dieser Last befreit fühle, heißt das nicht, dass ich geheilt bin. Wenn es mein Leben lang gedauert hat, mich so zu konditionieren, wie ich bisher funktioniert habe, dann wird es auch eine Weile brauchen, bis ich mich in dem Neuen zurechfinde. Es gibt unendlich viele unbeanwortete Fragen und einige Knoten müssen noch gelöst werden, aber aus dem tiefsten Sumpf habe ich vielleicht schon herausgefunden und bin beim Auftauchen mir selbst in meiner reinsten Form begegnet. 


Ich denke oft darüber nach, wie seltsam das ist, über sich selbst zu bloggen, sich so in den Mittelpunkt zu stellen, seine persönlichen Probleme mit Fremden zu teilen, preiszugeben und einen gewissen Geltungsdrang damit zum Ausdruck zu bringen. Noch mehr, wenn das Selbstbewusstsein eigentlich nicht das Größte ist. Es hat ja auch lange gedauert, bis ich mich endlich getraut habe und immernoch überkommen mich immer wieder die Zweifel, wenn sich sorgende Menschen mich darauf hinweisen, dass ich mich damit angreifbar mache. Tatsächlich ist es ein Zeichen meiner Selbstliebe und noch viel mehr. Aber selbst wenn der ganze Blog nur den Nutzen hätte, mir gutzutun, hätte er seinen Zweck schon erfüllt. Und so bin ich selbstverliebt genug, mich in den Mittelpunkt zu stellen und meine Themen hier niederzuschreiben. 

In Liebe, eure Lene

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Ich bin ein offenes Buch

Update zu Ess-Störung & Co.

Körperakzeptanz nach der Schwangerschaft