Samstag, 16. September 2017

Update zu Ess-Störung & Co.

Nachdem ich mir über meine Körper-Problematik klarer geworden bin, während ich darüber geschrieben habe, habe ich das Thema hier auf dem Blog gar nicht mehr so ausführlich behandelt. Wie geht es mir inzwischen? Konnte ich meine positiven Gedanken zu meiner eigenen unperfekten Körperlichkeit bewahren? Was passiert, wenn ich mich im Spiegel sehe? Wie steht's mit den Fressanfällen?

Manchmal denke ich, dass ich schon viel zu alt für dieses Thema bin. Und fange wieder mit dem Vergleichen an: Wie kommt es bloß, dass es so vielen Frauen leichtfällt, schlank zu sein? Wieviele von denen, die ich im Vorbeigehen beobachte, kämpfen mit sich, wieviele sind wirklich frei davon? Muss ich mich mit 37 Jahren wirklich noch damit befassen?


Was ich über die letzten Monate sagen kann ist, dass ich nicht mehr so of verzweifelt wegen meines Körpers war. In meiner Erinnerung gibt es auch weniger Fressanfälle und insgesamt einen ausgewogeneren, intuitiveren Umgang mit Essen. Vor einem Jahr habe ich noch ganz krampfhaft versucht, so "clean" wie möglich zu essen. Heute stehe ich immernoch sehr auf gesundes Essen, kann aber viel besser auch mal Fünfe gerade sein lassen, kann in der Kantine im Büro zu Mittag essen, kann ein Stück Kuchen genießen und es müssen nicht unbedingt zwei daraus werden. Das klingt nicht nach viel, für mich ist es aber ein ziemlicher Meilenstein. 

Äußerlich merkt man mir das alles nicht an, glaube ich. Gewogen habe ich mich schon lange nicht mehr und ich bin ziemlich sicher, dass mich mein aktuelles Gewicht verunsichern würde. Als ich vor ein paar Wochen beim Arzt war, musste ich dort auf die Waage - nicht schön.


Aber wie ich in meinem Post über Krankheit und Verantwortung schon geschrieben habe, stehen körperliche und seelische Gesundheit nicht nur in Zusammenhang miteinander, sie sind eigentlich ein und dasselbe. Diese Erkenntnis hat mich auf eine interessante Reise geführt, durch die ich mir selbst viel näher gekommen bin. Nach meiner Odyssee durch Arztpraxen und Krankenhäuser habe ich für mich selbst ein paar sehr sinnige Lösungen gefunden, die meine Ärzte mir alle nicht angeboten haben:
  1. Ich bin überzeugt davon, völlig gesund zu sein.  
  2. Regelmäßige Ruhezeiten und Rituale sind Grundvoraussetzung für einen stabilen gesundheitlichen Zustand. Yoga, Bewegung, Entspannung und Sport sind kein nettes Beiwerk, das ich in meinen Alltag integriere, falls ich es schaffe, sondern essentielle Bestandteile meines Lebens und stehen deshalb für mich nun ganz oben auf der Liste, direkt hinter dem Punkt "Zeit mit der Familie verbringen". 
  3. Ich habe die Pille abgesetzt. Des öfteren wurde das Thema Hormone in Gesprächen mit Ärzten gestreift, niemand hat sich aber dafür interessiert, dass ich die Pille nehme und ob das evtl. Auswirkungen auf meinen körperlichen Zustand haben könnte. Auf einmal ist mir bewusst geworden, dass ich diese Hormone nicht mehr zu mir nehmen möchte. Mir wurde klar, wie sehr sie meinen Körper manipulieren und daran hindern, so zu funktionieren, wie er gedacht ist. Darüber hinaus bin ich auch überzeugt, dass sie sich negativ auf meine Darmflora ausgewirkt haben. 
  4. Bakterien! Meine Bauchschmerzen, meine Kopfschmerzen, meine Stimmungsschwankungen, die ich nicht immer einem konkreten Ereignis zuordnen konnte, haben mit meiner angegriffenen Darmflora zu tun. Jetzt nehme regelmäßig  Bakterien und fermentierte Lebensmittel zu mir, die mir helfen, mich viel besser zu fühlen. Der Einfluss einer gesunden Darmflora auf Stimmung, allgemeines Wohlbefinden, Gewicht etc. ist riesig. Ich bin sicher, dass sich mein Zustand durch regelmäßige Einnahme von Bakterien weiter sukzessive verbessern wird.  
  5. Keine Rebellion mehr gegen mein Leben, das ich mir selbst gewählt habe! Alles, was mich umgibt, habe ich erschaffen. Die Menschen, die mich in meinem Leben begleiten, habe ich mir ausgesucht, meine Arbeit habe ich selbst gewählt. Ich stehe zu meinen Entscheidungen und flüchte mich nicht in Traumwelten. Ich gebe niemandem die Schuld, falls ich unzufrieden sein sollte.  
  6. Wenn ich mich mies fühle, lasse ich das Gefühl zu und warte ab, was sich daraus entwickelt. Meistens kann ich im Nachhinein dann sagen, warum der Schuh wo gedrückt hat und eine sinnvolle Erkenntnis daraus für mich ableiten. Unangenehme Gefühle haben ihre Daseinsberechtigung und auch wenn man sie gerne ignorieren möchte, sollte man versuchen, sie zu akzeptieren. Mit ein bisschen Distanz klappt das erstaunlich gut. Wenn man mittendrin in einem negativen Gefühlschaos steckt, kann man natürlich nicht klar denken. Aber man kann abwarten. Und dann geht es irgendwann einfach vorüber. So ist es immer.
 
Unterm Strich würde ich sagen, dass ich wirklich große Schritte nach vorne gemacht habe. Ich fühle mich nicht mehr so getrieben, mein innerer Stress hat sich vermindert. Und ja, ich fühle mich immernoch zu fett. Wenn ich in den ungünstig beleuchteten Aufzügen im Büro meinem Spiegelbild gegenüberstehe, ist der Kritiker in mir immernoch sehr laut. Nicht nur sehe ich einen Körper, der mir nicht gefällt, ich sehe auch, dass ich älter werde. Dass ich schlecht gekleidet bin, unvorteilhaft, nicht schick genug fürs Büro... aber hauptsächlich stört mich mein Körper. Oder besser gesagt der Anblick meines Körpers. Vielleicht würde es mir guttun, für eine Weile mal allen Spiegeln aus dem Weg zu gehen. Ich stelle mir oft vor, wie es wäre, mich nicht mehr zu schminken. Vielleicht komme ich eines Tages dahin, dass ich das alles nicht mehr brauche. 

Aktuell gibt es eine Art Zwiespalt in mir: Wünsche ich mir, abzunehmen oder sollte ich lieber versuchen, mit mir so wie ich bin klarzukommen? Eigentlich trifft beides zu. Ich wünsche mir so sehr, dass ich ein paar Kilo weniger wiegen würde, dass ich mich dadurch einfach wohler in meinem Körper fühlen könnte. Und genauso sehr wünsche ich mir, mich zu akzeptieren. Ich weiß ja auch, dass ich nicht jünger werde und nur mit der größten Anstrengung gegen Cellulite & Co. ankämpfen könnte. Das will ich gar nicht. Ich will mich würdevoll meinem Alter ergeben, mich nicht dagegen auflehnen und das Ganze auch einfach nicht so wichtig nehmen. 

Für den Moment bin ich einfach froh, dass ich einen guten alltäglichen Umgang mit meinem Essverhalten gefunden habe, dass mich kein schlechtes Gewissen plagt und mich dieses Thema nicht verzweifeln lässt. Ich bedaure nur, dass mein Umgang damit nicht automatisch zu einem schlankeren Körper führt. Aber vielleicht muss ich auch nur noch ein bisschen Geduld haben. Oder vielleicht schaffe ich es wirklich eines Tages, dass es mir vollkommen gleichgültig ist, wie ich aussehe. Die Vorstellung, dass es so sein könnte, klingt sehr verlockend.

Ich denke, ich bin ganz gut gewappnet für die dunkle Jahreszeit mit all ihren Herausforderungen...

Kommentare:

  1. Was mir wirklich geholfen hat meine Darmflora zu verbessern war ein Präbiotikum, dass ich in Pulverform zu mir genommen habe. Ich habe das von vitaminexpress bestellt und kann es wirklich jedem ans Herz legen. Hat auch gegen die Blähungen beim Einnehmen von Ballaststofen geholfen.

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  2. Liebe Lene,

    ich will nicht lange auf das Thema Essen eingehen. Mir war mein Bauch zeitlebens zu dick, obwohl mich andere zweitweise als Hungerhaken bezeichnet haben. Grundsätzlich esse ich, wenn ich Hunger habe oder wenn ich Lust darauf verspüre. Essen hat nämlich nicht nur mit Sättigung, sondern auch mit Lustempfinden zu tun.

    Beim Essen habe ich mir nie große Gedanken gemacht. Manchmal esse ich viel, manchmal wieder weniger, so wie mir gerade danach ist.

    Was mir wichtiger erscheint, ist das Thema Schönheit. Dazu habe ich mal eine kluge Kindergeschichte mit meinem kleinen Sohn ind der Sendung mit der Maus gesehen. Fazit war: Schönheit hat etwas mit sehen zu tun. Keinesfalls aber, wie jemand aussieht, sondern wie man jemanden ansieht.

    Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Die Medien wollen uns ein Bild der Schönheit vermitteln, das dazu gedacht ist, den Gewinn für die Kosmetikindustrie und für die Anbieter von teurer Kleidung zu vervielfachen. Kaum einer sieht in Natura so aus, wie die Menschen die dort vorgezeigt werden. Vielfach ist bei diesen Bildern Photshop mit im Spiel. Die Models solltest du mal sehen, wenn sie morgens aus dem Bett steigen.

    Ich hatte mal eine Freundin, die war für mich damals der schönste Mensch auf der Welt. Ich war sehr traurig, als unsere Beziehung endete. Ein Bekannter, der meine Trauer bemerkte, meinte zu mir: "Ich weiß gar nicht, was du hastr. So schön war die doch nicht gerade." So viel zu Schönheit ist, wie man jemanden ansieht.

    Für mich liegt ganz viel Schönheit in den Augen, in der Stimme, in dem, wie sich jemand gegenüber seinen Mitmenschen verhält und in dem, was er/sie sagt. Vorausgesetzt, das Handeln entspricht den Worten.

    Und ich glaube, das jeder Mensch ein Stück Schönheit in sich trägt.

    Alles Liebe, Rainer

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