Sonntag, 27. August 2017

Spätsommer-Gedanken

Sommerende. Ich fürchte mich immer davor, noch bevor der Sommer richtig losgegangen ist. Habe das Gefühl, die schöne Jahreszeit nicht genug ausgekostet zu haben. Habe ich alles schon verpasst? Wie oft habe ich gemütlich draußen im Café gesessen und die Sonne genossen? Wie oft bin ich schwimmen gegangen? Wieviele laue Sommerabende habe ich im Garten gesessen und die Stimmung in mich hineingesogen? Warum sind diese magischen Sommernächte heutzutage so spärlich gesät?


Nach einem wundervoll entspannten Urlaub in diesem Sommer, in dem ich all das haben durfte und für den ich unendlich dankbar bin, den ich für immer zu meinen kostbaren Erinnerungen zählen werde, bin ich in die unperfekte sommerliche deutsche Realität zurückgeworfen worden. Ich bin selbst erschrocken, wie schnell ich wieder unentspannt, fremdbestimmt, gestresst, traurig geworden bin. Kann niemandem dafür die Schuld geben. Frage mich, warum ich so müde bin? Wo läuft die Zeit hin und warum komme ich nicht hinterher?

Meine Suche nach der Zeit. Ich muss gestehen, dass in meinem Leben viel Zeit vergeht, die ich nicht genießen kann. Das Gedankenkarussell rattert fast ununterbrochen. Heute morgen beim Laufen im Wald ist mir immer wieder aufgefallen, dass ich mich in komplizierte Gedankenkonstrukte verstrickt habe und ich musste mich selbst ein ums andere Mal zurück in den Moment holen, in dem ich einfach nur durch den Wald laufe und nichts anderes zählt. 

Es liegt nicht an den einzelnen Bestandteilen meines Lebens, es liegt an mir. Ich habe bereits das Leben, das ich immer wollte und habe trotzdem Mühe, es anzunehmen. Hinterfrage und zweifle. Tue Dinge, von denen ich glaube, dass sie von mir erwartet werden, anstatt mich daran zu orientieren, was für mich selbst das Beste wäre. Ich muss klarere Entscheidungen treffen. Entspannter mit der Erwartungshaltung anderer umgehen. Meine eigene Erwartung hinterfragen. Aufhören, so viel zu denken. 

Der Sommer wird sich bald verabschieden. Ich liebe diese vergängliche spätsommerliche Atmosphäre! Es liegt so eine Art Vorwarnung in der Luft: "Koste es noch einmal aus, bevor es zu spät ist!" Das schwingt in jedem Lüftchen, das etwas kühler ist, schon mit. Daran erinnern mich die langsam gelber werdenden Blätter. Das einzige, was ich daraus machen kann ist: genießen! Ich bin jetzt hier, so jung, wie ich nie wieder sein werde und ich kann nichts zurückholen. Also muss ich doch mit voller Kraft im Hier und Jetzt leben, alles in mich aufnehmen, blühen, bis ich nicht mehr kann. Als mir das gestern klar geworden ist, bin ich sehr glücklich gewesen. Erst die Vergänglichkeit macht das Leben so wertvoll.

Vielleicht ist es für mich deswegen so schwer, mir meine trägen, faulen, antriebslosen Momente zu verzeihen. Vielleicht bedaure ich deswegen, dass ich den Tag nicht besser genutzt habe. Oder dass meine Stimmung nicht gut war. Ich kann mich einfach nicht immer wohlfühlen. Aber ich kann an meinem grundsätzlichen Mindset arbeiten. Ich füttere meinen Geist regelmäßig mit guten Gedanken und langsam, langsam wächst der Glaube daran, dass sich nicht alles immer wiederholen muss. 


Diesen Sommer habe ich meinen Glauben entdeckt. Ich habe verstanden, dass ich mit einem guten Glauben meine Realität formen und gestalten kann. Und jetzt möchte ich diesen Glauben manifestieren, möchte damit stärker sein als in meiner Verzweiflung. Ich möchte darauf vertrauen, dass das Leben viele schöne Überraschungen für mich bereithält und dass ich in meiner Entwicklung den richtigen Weg eingeschlagen habe. Manchmal übermannt mich aus einem Hinterhalt der Zweifel und alles, was ich mir da so schön zurechtkonstruiert habe, scheint zusammenzustürzen. In diesen Momenten mache ich mir klar, dass ich nicht meine Gedanken bin und auch nicht meine Gefühle. Ich bin auch nicht mein Körper. Ich bin nicht gut und nicht schlecht. Ich bin einfach nur da. Wenn ich mir das klarmache, muss ich nur meine Augen öffnen und schauen. Und der ganze Stress ist wie weggeblasen. Ich bin nicht auf dieser Welt, um zu arbeiten. Ich bin nicht auf dieser Welt, um Geld zu haben. Ich bin vielleicht sogar völlig grundlos hier. Aber das bedeutet auch, dass alles unbedeutend wird, was an Anforderungen auf mich einprasselt.


1 Kommentar:

  1. Liebe Lene,

    bei deiner Liebe zum Sommer muss ich daran denken, dass auch der Herbst wunderschön ist.

    Ich liebe den Herbst mit seiner noch wärmenden Sonne, den erfrischenden Nächten, den warmen Farben und später auch mit seinen geheimnisvollen Nebeln am Morgen. Der Herbst ist meine liebste Jahreszeit.

    Aber auch der kalte Winter hat seinen Sinn. Hier ruht die Natur sich aus, um im Frühjahr wieder nach langem Schlaf zu erwachen und uns aufs Neue zu erfreuen.

    Liebe Grüße
    Rainer

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