Samstag, 17. Juni 2017

Yoga ist...

...nicht für die Fitten, die Gelenkigen, diejenigen, die mit sich selbst im Einklang sind, die mit den trendigen Klamotten, die in den Lifestyle-Yogastudios, diejenigen, denen wir hinterherschauen und denken: So bin ich nicht und das schaffe ich nie. Yoga ist für uns alle. Für die Dicken, die Dünnen, die Kranken, die Gesunden, für die Sportlichen und die Unsportlichen. Ich besuche seit anderthalb Jahren den fortlaufenden Kurs von Anjuly, ohne dass ich das Gefühl habe, es wiederhole sich etwas oder ich würde auf der Stelle treten und mich nicht weiterentwickeln. Es spielt keine Rolle, wieviele Anfänger den Kurs besuchen, wenn ich offen genug bin, Yoga immer wieder aufs Neue zu lernen. Jeder kann die Asanas auf seine Weise durchführen. Und ich bin niemals fortgeschritten genug, um mich auch nur eine Sekunde zu langweilen. Denn im Yoga geht es nicht um den ständigen Fortschritt. In jeder Wiederholung kann eine ganz neue Erkenntnis stecken, in jeder Bewegungsabfolge kann ich selbst mich beobachten und schauen, was passiert. 


 Yoga ist kein Wettkampf und wir müssen nicht gut darin sein. Wir müssen nichts erreichen und dürfen alles. Yoga ist viel mehr eine Einstellung als alles andere. Lasst los und euch darauf ein, denn es spricht unsere ureigenen Bedürfnisse an und harmonisiert uns. Wir müssen nicht erst fit werden, bevor wir loslegen oder abnehmen oder schicke Yogaklamotten kaufen. Wir brauchen noch nichtmal eine Matte. Wir brauchen nichts. Wir dürfen frei sein, im Garten, am Strand, beim Zähneputzen, im Bett, unter der Dusche. An der Supermarktkasse, mit Kind auf dem Arm, im Stau. Überall ist Yoga möglich. Was wir brauchen, ist eine Offenheit dem Neuen gegenüber. Wenn wir die mitbringen, offenbart sich ins uns selbst eine ganz neue Welt. Ich weiß noch, wie ich das erste Mal bei einer Vorbeuge mit der Nase meine Zehen berührt habe und festgestellt habe, dass ich niemals zuvor meinen Füßen so nah war und sie aus dieser Perspektive betrachtet habe. Es war ein grandioses Gefühl, meinen eigenen Körper auf eine ganz neue und andere Art wahrzunehmen. 

Anjuly sagt, dass wir nicht gelenkig sein müssen, um Yoga zu machen. Das wirkt oft so, wenn wir auf Instagram die beeindruckenden Posen unserer Vorbilder bewundern oder es uns schwerfällt, eine Haltung einzunehmen. Das Gegenteil ist der Fall. Unsere Gelenke wollen bewegt werden und bedanken sich für jeden Versuch, den wir in diese Richtung unternehmen. Und tatsächlich kann sogar ich behaupten, dass ich nach einem Jahr "gelenkiger" geworden bin und Dinge machen kann, die vorher undenkbar waren. Und trotzdem gilt für mich: Ich liebe Yoga, weil ich damit keine Medaillen gewinnen kann, weil es nicht nötig ist, gut darin zu sein. Weil gut und schlecht an sich überhaupt keine Kriterien im Yoga sind. Und allein das ist eine so große Entlastung im Vergleich zu der Welt da draußen, in der wir ständig Leistung bringen müssen, dass jeder von uns sich täglich seine Dosis davon verabreichen sollte. Es wird auf Dauer auch darauf abfärben, wie wir uns von den Dingen stressen lassen, die uns herausfordern. Und dann werden sie uns leichter fallen als je zuvor. Wenn wir es schaffen können, loszulassen, sind wir frei. Und das Gefühl ist unbeschreiblich.

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